(...) Wilhelm Furtwängler gilt als ein Erbe der Romantik - geprägt vom deutschen Bildungsbürgertum, von der musikalischen Klassik, vor allem auch von der machtvollen romantischen Erscheinung des Komponisten und Dirigenten Richard Wagners, wie sie beispielsweise Arthur Nikisch, sein Vorgänger bei den Berliner Philharmonikern, vermittelt hat.

(...) Die Nähe zu Beethoven und Wagner gehört, wie bei allen Musikern dieser Generation, sozusagen zur künstlerisch-genetischen Grundtatsache von Wilhelm Furtwänglers Herkunft. Als er am 25. Januar 1886 in Berlin geboren wird, ist Richard Wagner gerade drei Jahre tot. Liszt, Brahms und Bruckner leben noch. Das Kind, der junge Mann, wächst im

Großbürgertum, in einem kunst- und wissenschaftsfreundlichen Professorenhaus heran - als der Musensohn des berühmten Archäologen Adolf Furtwängler.

Mit acht Jahren hat Wilhelm schon erste Kompositionen beendet; die Familie übersiedelt bald in die Kunstmetropole München. Zwei Jahre später bricht der Schüler das Humanistische Gymnasium ab, und zwei Privatlehrer setzen den Unterricht fort, übrigens nach einem exakten Bildungsplan des strengen Vaters, der konsequent die - so wörtlich sein Anspruch - "Geist- und Menschwerdung" seines Sohnes betreibt. Dazu gehört auch der Sport, auch die Hingabe an die Natur, das Wandern in den Bergen. Ein panthe