istischer
Zug haftet schon früh dem Jüngling mit den weichen, fast melancholischen
Gesichtszügen an. Die Musik ist für Wilhelm Furtwängler seit
der Kindheit jedoch die Hauptsache. Vom Dirigieren ist noch lange nicht die
Rede: er komponiert, lernt die Violine und das Klavier spielen. Kontrapunkt
und Harmonielehre übernimmt der Komponist Joseph´Reinberger; später
werden dem Frühbegabten der Pianist Conrad Ansorge und der Komponist Max
von Schillings zur Verfügung stehen. Das Zauberwort heißt "Klassik"
oder: "die Klassiker". Viel später kann Furtwängler sagen:
"Die Leitsterne meiner frühen Jugend waren: Haydn, Mozart, Beethoven."
(...) Der Hauptgott ist und bleibt Beethoven. Nur Bach, Michelangelo, Goethe
und Schiller können ihm ebenbürtig sein. Die traditionalistische,
ja deutschnationale ästhetische Erziehung durch Riezler und Curtius bestätigt
später Max von Schilings, "der deutschesten Deutschen einer",
wie Hermann Göring Schillings im Nachruf von 1933 apostrophiert. Riezler
und Curtius halten alles Moderne - Ibsen, Wedekind, Strindberg, und selbstverständlich
den "Simplizissimus" - von dem Jüngling fern. Immerhin versucht
der spätromantische Opernkomponist Schillings, Furtwänglers Gesichtskreis
musikalisch zu erweitern, beispielsweise in Richtung der italienischen Veristen
oder des Wiener Fin de