
siècle. Furtwänglers eigene Chor-, Kammer- und Klaviermusik ist mittlerweile beträchtlich angewachsen. Mit siebzehn schreibt er endlich seine erste Symphonie in D-Dur, die in Breslau ohne Erfolg uraufgeführt wird. Das Klassik-, das Beethoven-Modell, steht für den Komponisten und Dirigenten Wilhelm Furtwängler ganz im Zentrum. Als Beethoven- Wahn sah man den Kult im Hause Furtwängler um den titanischen Klassiker, der für den hochbegabten jungen Musiker zur absoluten Richtschnur von Formgesetz und Ausdrucksleidenschaft geworden war. Sogar der Traditionalist Max von Schillings wunderte sich und fasste die Entwicklung seines Schützlings in einem Brief zusammen: "Wilhelm Furtwängler (...) ist ein ganz merkwür
diges Talent. Eigenartig weltabgewandt aufgewachsen (...)
hat er sich in einer für sein Alter erstaunlichen Art und Weise in die
Empfindungswelt und Stilarten des letzten Beethoven hineingebohrt. Die Entwicklung,
die Musik seit Beethoven durchgemacht hat, ist fast ganz ohne Einfluß
auf ihn geblieben: ein jugendliches Phänomen!" (...)
Hatte sich seit den Jugendkompositionen an seiner musikalischen Erfindungsgabe,
seiner kreativen Kraft, etwas geändert? Eine Ansammlung Beethovenscher
"Influenzien", etwas aus der "Missa Solemnis", sei seine
Musik lediglich. Solch ein Urteil hatte der Münchner Dirigent und Tonkunst-Akademie-
Direktor Felix Mottl einst dem jungen Furtwäng