
ler zu dessen "Faust"-Chören ins Stammbaum geschrieben. Kein unbedingt ermunternder Impuls! Es scheint so, als habe der Komponist Furtwängler nie wirklich das volle schöpferische Glück empfunden. Die Jugendzeit abgeschlossen, die Gegenwart der Tradition geweiht, die berufliche Zukunft in Ratlosigkeit getaucht - was sollte der 20jährige, hochbegabte Musiker tun, wohin sollte er sich wenden? So entschied sich Furtwängler zunächst für einen Berliner Meisterklasse-Kurs bei dem Liszt-Schüler und Klavier-Poeten Conrad Ansorge. Und musste bald einsehen, dass das Klavier nicht sein künstlerisches Zentrum sein konnte. In Berlin kam es zu einer kurzen Begegnung mit Max Reger, der das kompositorische Talents Furtwänglers eher
skeptisch beurteilte. Ein Zwiespalt, ein Gefühl des
Ungenügens war und blieb für den Komponisten Furtwängler, der
den spätromantischen Melancholiker nicht verleugnen konnte, ein Leben
lang grundlegend.
Vielleicht wurde es zunächst nur als ein Ausweg, eine Flucht - weniger
als Richtungsänderung - empfunden, als ihn sein Onkel nach Breslau lockte,
wo Furtwängler als Korrepetitor am dortigen Stadttheater einstieg. Die
Dirigiertätigkeit konnte beginnen. (...)
Der Konzertdirigent Furtwängler bewährte sich zum erstenmal in München,
noch während seiner Breslauer Zeit. Freunde hatten das