
Furtwängler übersiedelte in die deutsche Hauptstadt;
Mannheim mußte ihn ziehen lassen. Da starb plötzlich, 1922, Arthur
Nikisch, der bedeutendste Dirigent seiner Epoche.
Nach dem Tode Arthur Nikischs übernahm der 36jährige Wilhelm Furtwängler
dessen zwei Hauptfunktionen: die Leitung sowohl des Leipziger Gewandhausorchesters
als auch der Berliner Philharmoniker. Damit war Furtwängler in Deutschland
mit einem Schlag die Nummer eins. In Leipzig sollte er sechs Jahre lang bleiben,
bei den Berlinern bis an sein Lebensende. Von 1927 an dirigierte er regelmäßig
auch die Wiener Philharmoniker und wird deren Hauptdirigent. Eine Berufung
zum Direktor der Wiener Staatsoper lehnt er jedoch ab. Furtwänglers erste
Berliner Zeit in
den zwanziger Jahren ist für ihn selbst reich an Höhepunkten. Da sind die Gastspiele bei den Orchestern der europäischen Metropolen, etwa in Paris, Amsterdam und London, wo die Kritik allerdings geteilter Meinung ist; da gibt es drei ehrgeizige Amerika-Reisen zwischen 1925 und 1927, die viel positives Aufsehen erregen, letztlich aber unglückliche Versuche bleiben, in Zeichen der Inflation bei den New Yorker Philharmonikern Fuß zu fassen. Gestört wurde in Amerika zunehmend die Kommunikation mit dem Publikum, der Kritik, den Orchestermusikern, und die Parteigänger Toscaninis arbeiteten fleißig gegen Furtwängler. So konzentrierte er sich in der Zukunft mehr und mehr auf Deutschland, auf Berlin. (...)